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Lebensmittel richtig verkaufen

veröffentlicht am 07. Januar 2015 von Manuela Glöckner in Allgemein, Recht und Steuern

Der Bereich Essen, Trinken und Nahrungsmittel bietet viele Möglichkeiten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Wer Lebensmittel herstellt, behandelt oder in Verkehr bringt, muss eine Reihe von Vorschriften einhalten. Auf allen Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen muss der Unternehmer seinen Sorgfaltspflichten nachkommen und die Anforderungen des Lebensmittelrechts einhalten. Wenn es um Fleisch-, Milch- oder Eierprodukte handelt sind die Vorschriften besonders streng.
 

Unzählige Vorschriften …


Wer z.B. erstmalig eine gewerbliche Tätigkeit in Küchen, Restaurants und anderen Lebensmittelbetrieben aufnimmt benötigt eine Bescheinigung über die Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG) – Gesundheitsausweis. D.h. Sie müssen sich zuvor im zuständigen Gesundheitsamt (Wohnort) oder von einem durch das Gesundheitsamt beauftragten Arzt in einer Erstbelehrung über Krankheiten, ihr Auftreten und ihre Symptome, Ansteckungsrisiken und Personalhygiene informieren lassen. Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern.

Am 13. Dezember 2014 trat nunmehr auch die Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) in Kraft, welche die Kennzeichnung von Lebensmitteln europaweit einheitlich regeln soll. Sie sorgt für eine verpflichtende Kennzeichnung der Nährwerte, eine Ausweiterung der Allergenkennzeichnung, eine deutlichere Kennzeichnung von Lebensmittelimitaten und trägt durch Vorgaben wie etwa zur Mindestschriftgröße zu einer besseren Lesbarkeit bei.

Die EU-Verordnung gilt für Lebensmittelunternehmer auf allen Stufen der Lebensmittelkette.

Die Informationspflichten über potentiell wirksame Allergene gelten für alle Lebensmittel, die für Endverbraucher bestimmt sind. Das gilt auch für Lebensmittel, die durch Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung abgegeben werden sowie für Lebensmittel, die für die Lieferung an Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung bestimmt sind. In Zukunft müssen Bäckereien, Metzger, Imbisse, Catering-Betriebe, Restaurants, Kantinen, aber auch Großhandel und Lieferanten für gastronomische Betriebe usw., Informationen über mögliche Allergene in ihren Produkten für Gäste und Kunden bereithalten.

Auch Existenzgründer sind aufgefordert, sich intensiv mit den Inhaltsstoffen aller verwendeten Produkte auseinanderzusetzen. Vor allem in Gewürzmischungen, Marinaden und Convenience-Produkten finden sich oft zahlreiche allergene Inhaltsstoffe wie Gluten und Laktose aber auch Soja und Sellerie.

Für Gastronomen heißt das in diesem Zusammenhang auch, die Abläufe in der Küche zu standardisieren. Spontane Änderungen in den Abläufen und Rezepten, wie beispielsweise das Zugeben eines Schluckes Sahne zur Soße (Laktose) oder das Abbinden einer Soße mit Mehl statt mit Soßenbinder (Gluten) würden eine zwingende Ausweisung der enthaltenen Allergene nach sich ziehen.

Mit Inkrafttreten der Verordnung am 13. Dezember 2014 werden die Bestimmungen Teil der üblichen Lebensmittelkontrollen durch das Ordnungsamt. Bei Nicht-Beachtung droht ein Bußgeldverfahren bis hin zu einem Strafverfahren in Härtefällen.

Die wichtigsten Änderungen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertages in einem in einem Infoblatt Allergenkennzeichnung zusammengestellt.

Mein Tipp!
Ich empfehle rechtzeitig und bereits in der Gründungsphase die Kontaktaufnahme mit dem örtlich zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt. Dieses ist unbedingt bei der Herstellung und des Inverkehrbringens von Lebensmitteln zu informieren.