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Ver(un)sichert? # 1: Sozialversicherung und Selbstständigkeit

veröffentlicht am 26. März 2015 von in Allgemein, Gründung, Tipps und Tricks

Ihr kauft euch ein neues Auto und schließt zur Haftpflichtversicherung weder Teil- noch Vollkaskoversicherung ab. Unvorstellbar? Für die meisten von uns sicherlich. Was ist der Grund für die Versicherung? Der finanzielle Schaden im Fall eines selbstverschuldeten Unfalls oder bei Vandalismus ist oft sehr hoch.

Beim eigenen Auto gibt es also keine Diskussion. Doch wie sieht dagegen die Absicherung der eigenen Person aus? Wie ist die eigene Arbeitskraft bei Unfall oder Krankheit abgesichert? Wer kommt für die eigenen "Werkstattkosten" auf? Oft, so die Erfahrung, ist das eigene Auto besser versichert als man selbst.

Der Vorteil der Selbstständigkeit im Sinne der Sozialversicherungen besteht darin, dass grundsätzlich zwischen einer gesetzlichen und einer privaten Lösung gewählt werden kann. Doch wie so oft, bietet auch dieser Sachverhalt Fallstricke, die zu immensen Zahlungsforderungen führen können. Unter bestimmten Bedingungen besteht ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, obwohl Ihr der Meinung seid selbstständig zu sein. Oder Ihr seid weiterhin sozialversicherungspflichtig, obwohl Ihr auf eigenen Beinen steht. Ein klärendes Vorabgespräch, z.B. beim gesetzlichen Rentenversicherungsträger und/oder der Überprüfung des Status bei der Clearingstelle schafft diesbezüglich Sicherheit. (Infos unter www.deutsche-rentenversicherung.de)

Ist dieser Punkt geklärt und Ihr seht euch auch gegenüber des Rentenversicherungsträgers in Eurer Selbstständigkeit bestätigt, dann geht es an die Wahl der konkreten Versicherungen. Die Säulen der Absicherung sind die Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Unfallversicherung (gesetzlich und/oder privat absicherbar) und darüber hinaus Berufsunfähigkeitsversicherung (sollte privat abgesichert werden). Leider sind die Säulen der Sozialversicherung und deren private Pendants nur ungleich schwerer zu überblicken als eine Kfz-Versicherung. Eine klare Empfehlung ist an dieser Stelle aber doch auszusprechen: Es gibt keine unwichtige oder weniger wichtige Säule der Absicherung. Es sollten alle Säulen abgesichert werden. Klar kostet Absicherung Geld, welches zumeist in der (Vor-)Gründungsphase fehlt. Ihr müsst Euch aber darüber im Klaren sein, welches Risiko Ihr damit eingeht. Ein Krankenhausaufenthalt aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit kann leider jeden jederzeit treffen. Dass medizinische Leistungen schnell sehr teuer werden können, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden.

Grundsätzlich sind gesetzliche und private Absicherung zu unterscheiden. Die Leistungen der gesetzlichen Absicherung sind i.d.R. vorgegeben und vom Gesetzgeber jederzeit veränderlich (siehe diverse Reformen im Gesundheitswesen). Der Beitragssatz ist einheitlich und abhängig vom Verdienst. Bei der privaten Absicherung werden individuelle Verträge zu persönlich abhängigen (Alter, Vorerkrankungen…) Prämien abgeschlossen. Des Weiteren gilt für die Tarife der privaten Versicherungen, je eher man anfängt und je gesünder man ist, umso günstiger sind die Beiträge. Ein Vergleich der verschiedenen Versicherer ist im Rahmen der privaten Absicherung sehr empfehlenswert, da sich, im Gegensatz zu den gesetzlichen Gegenstücken, sehr große Unterschiede bei den Tarifen und Leistungen ergeben.

Bei der Wahl der richtigen Ausgestaltung der Versicherung sollten auf unabhängige Berater oder Berater Eures Vertrauens aufgesucht werden.

Zusammenfassung
  1. Klärung Status Selbstständigkeit vs. abhängige Beschäftigung
  2. Was soll abgesichert werden (Empfehlung möglichst alle Säulen)
  3. Beratung durch sachverständige Vertrauensperson oder unabhängige Institution
  4. Vertragsabschluss

Mein Tipp! Broschüre ?Selbstständig ? wie die Rentenversicherung Sie schützt?

Gastbeitrag: Steffen Waurick, dresden|exists