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Viel Umsatz - wenig Gewinn? # 1: Handelskalkulation

veröffentlicht am 05. Mai 2015 von Manuela Glöckner in Allgemein, Gründung, Tipps und Tricks

Nicht selten führt ein geringer Abschlag zum Zuschlag! - Aber kann ich mir diesen auch unternehmerisch leisten? Wieviel Abschlag verträgt mein Geschäft?
Um diese Frage zu beantworten sollte jeder Einzelhändler von Beginn an genauestens über seine variablen und fixen Kosten Bescheid wissen. Diese sind ausschlaggebend und Grundlage für eine solide Warenkalkulation. Nur so könnt Ihr genau zuordnen, welche Ware welchen Gewinn bringt. Die Entscheidung ob Ihr einen neuen Artikel ins Sortiment aufnehmt oder nicht, wird mit einer ordentlichen Kalkulation ebenfalls erleichtert.

Das vollständige Erfassen aller betrieblichen Kosten sollte jährlich aktualisiert werden. Jeder konnte bestimmt im privaten und auch im unternehmerischen Bereich feststellen, dass keine Leistung im zeitlichen Verlauf gleich billig oder teuer bleibt. Das Problem bei einer Kalkulation besteht in erster Linie in der Kostenzuordnung auf die einzelnen Produkte. Bei Einzelkosten, wie z.B. Versandaufwendungen, ist dies relativ einfach. Dagegen lassen sich unternehmensübergreifende Gemeinkosten, wie z.B. Miete, schon schwieriger umlegen. Ein Betriebsabrechnungsbogen gibt hier Hilfestellung. Er dient der Erfassung der Einzelkosten und der Umlage von Gemeinkosten auf innerbetriebliche Kostenstellen. Als Unternehmer seht Ihr sofort, in welchen Bereichen welche Kosten entstanden sind und könnt so z. B. mit Zuschlagssätzen für die Selbstkostenkalkulation von Waren reagieren.

Nun stellt sich die Frage: Sollte man eine Vorwärts-, Rückwärts- oder Differenzkalkulation anwenden oder zählen doch nur das "Bauchgefühl" bzw. die Erfahrungswerte zur Zahlungsbereitschaft - "Was ist der Kunde bereit zu zahlen"?

Während die Vorwärtskalkulation vom feststehenden Einkaufspreis ausgeht, bildet bei der "Rolle rückwärts" der Verkaufspreis die Berechnungsbasis. Damit kann z. B. der maximale und kaufmännisch verträglichste Einkaufspreis einer Ware ermittelt werden.

Bei der Differenzkalkulation stehen die Ein- und Verkaufspreise fest. Alle Rabatte oder Skonti sowie Kosten werden berücksichtigt. Rechnerisch kann nun der unter den gegebenen Umständen maximal erzielbare Gewinn ermittelt werden. Diese Vorgehensweise kann allerdings nur zur unterstützenden Entscheidungsfindung - Produkt führen? ja oder nein? - beitragen.

Wie geht Ihr nun weiter vor?
Mit Hilfe einer Excel Tabelle solltet Ihr nachstehende Formeln zur Eingabe Eurer ermittelten Werte fest hinterlegen:
  • Kalkulationszuschlag EH = (Bruttoverkaufspreis - Bezugspreis) x 100 / Bezugspreis
  • Kalkulationsfaktor = 1 + Kalkulationszuschlag
  • Handelsspanne = (Nettoverkaufspreis - Bezugspreis) x 100 / Nettoverkaufspreis

Noch ein Tipp in Sachen Handelsspanne.
Die Handelsspanne entscheidet maßgeblich über den Betriebserfolg und ist bei laufender Kontrolle eine wesentliche Vorsichtsmaßnahme zur Vermeidung von Verlusten! Also, wenn Ihr mit einer Handelsspanne von 50 Prozent kalkuliert und sich der Einkaufspreis um 5 Prozent im Laufe der Zeit erhöht, so muss die Kalkulation zwingend angepasst werden, um das gleiche Ergebnis wie vor Preiserhöhung zu erzielen.

Ja, aber was ist nun mit Rabatten, Skonti oder sonstigen Nachlässen? Seid Euch darüber im Klaren, dass jeder Abschlag mit mehr Umsatz ausgeglichen werden muss!

Auch hier ist eine Excel Tabelle wertvoll:
  • Notwendiger Mehrumsatz = Preissenkung in Prozent x 100 / (Handelsspanne - Preissenkung - variable Kosten)

Fazit: Stets und ständig Kosten und Kalkulation im Auge behalten! (Auch wenn es im Auge vielleicht weh tut! - kleiner Spaß zum Schluss.)

Mein Tipp!
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