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Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

veröffentlicht am 25. Juni 2015 von in Gründung, Recht und Steuern, Tipps und Tricks

Von der gemeinsamen Nutzung von Büroräumen bis hin zur gemeinsamen Arbeit unter dem Dach eines eigenen Namens: Teamgründungen haben viele Vorteile: Sie teilen sich Kosten für Miete und Material. Investitionen, z. B. für Ausstattung und Ausrüstung, lassen sich leichter finanzieren. Mehr Gründungspartner bedeuten auch mehr Ideen, mehr Schaffenskraft, mehr Eigenkapital. Fachliche oder kaufmännische Defizite lassen sich auf diese Weise ausgleichen. Im Idealfall habt Ihr in Eurem Gründerteam Spezialisten aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen und jeder im Team kann seine Fähigkeiten nutzbringend einsetzen.

Viele Unternehmen entstehen durch Freundschaften und umgekehrt. Die gemeinsam bewältigten Herausforderungen schweißen zusammen, die Erfolge lassen sich gemeinsam feiern, Verluste stellen die Stärke der Beziehung auf die Probe.

Die Vorteile einer Unternehmensgründung mit Freunden liegen auf der Hand: Man kennt die gegenseitigen Stärken und Schwächen und je vertrauter man mit den "Sonnen- und Schattenseiten" des anderen ist, desto besser. Häufig hat man bereits vor der Gründungsentscheidung gemeinsam über Geschäftsideen und Potenziale nachgedacht - und ist zu Beginn entsprechend entschlossen und enthusiastisch. Aber: Freundschaften sind keine Gewähr dafür, dass es auch mit der gemeinsamen Unternehmensführung klappt.

Die Nachteile der Gründung im Team - und auch die Schwächen des Teams - werden meist sichtbar, wenn Probleme auftauchen. Dass man heute gut befreundet ist und sich vertraut, heißt leider nicht, dass das morgen auch noch so sein muss. Viele Startups, die in einer frühen Phase scheitern, scheitern aufgrund in­terner Teamkonflikte. Einzelne Ereignisse, wie der Austritt eines Gründers aus dem Team oder der Einstieg eines Investors, können die vermeintliche Harmonie schnell gefährden.

Viel Ärger und Schaden für das Unternehmen können vermieden werden, wenn Ihr schon vor der Gründung einige Punkte klärt. Es empfiehlt sich deshalb, offen Erwartungen auszutauschen und Vereinbarungen, beispielsweise die Verteilung von Anteilen, die Ausschüttung von Gewinnen oder die Höhe von Löhnen schriftlich festzuhalten.

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit hängt vor allem von folgenden Voraussetzungen ab:

Die "Chemie" unter allen Beteiligten muss stimmen.
Das heißt, Ihr solltet auch in der Lage sein, Konflikte auszutragen. Vor allem geht es aber darum, ob sich Eure Arbeitsweisen, moralischen Vorstellungen, Motivationen und Ziele einigermaßen decken.

Klare Aufgabenteilung | Wer übernimmt welche Verantwortung? | Wie werden Entscheidungen getroffen?
Am Anfang macht jeder irgendwie alles. Wenn die Arbeit dann immer mehr wird, entsteht schnell Chaos. Ihr kommt nur schwer voran, wenn alle Entscheidungen zuerst im Team diskutiert werden müssen. Was, wenn Ihr Euch nicht einig seid? Es funktioniert erfahrungsgemäß am besten, wenn am Ende einer das Sagen hat. Legt am besten frühzeitig fest, wie Entscheidungen für das gemeinsame Unternehmen getroffen werden und auch wer für welche Entscheidungen zuständig ist. Je klarer vorher die Aufgaben verteilt sind, je besser weiß jeder, was er zu tun hat und wofür er verantwortlich ist.

Wer bekommt wieviel Geld?
Mit ziemlicher Sicherheit werden nie alle gleichviel zum Unternehmenserfolg beitragen, aber wie wird dieser Beitrag gemessen? Wer bekommt welches Gehalt? Wie viel Gehalt zahlt Ihr aus, wenn es mal nicht so gut läuft; wie viel, wenn es gut läuft? Seid ehrlich und sucht nach einer gerechten Verteilung.

Wer bringt (wirklich) was in das Unternehmen ein?
Hier reden wir z. B. von der Arbeitszeit, von Sachwerten wie Computern oder Maschinen und über Geld. Es ist nicht untypisch, dass ein Partner voll in das Unternehmen einsteigt, der andere nur "nebenbei", da er seinen Job behält. Oder ein Partner hat Familie, der andere nicht. Da ist der Frust vorprogrammiert. Wenn nicht jeder vergleichbare Anteile ins Unternehmen einbringt, dann sollten das vom Team berücksichtigt werden.

Habt Ihr auch schon an das Ende gedacht?
Was soll bei einer Trennung mit dem Unternehmen passieren? Wer behält was? Versucht Euch alle möglichen Szenarien vorzustellen und vereinbart (am besten schriftlich zum Beispiel im Gesellschaftsvertrag), wie eine Trennung oder das Ausscheiden eines Partners ablaufen soll.
Die Rechtsform spielt hier ebenfalls eine Rolle. Für Teamgründungen kommen verschiedene Rechtsformen in Frage. Informiert Euch, welche am besten zu Eurem Vorhaben passt. Hier mal ein Beispiel:

Rechtsform für Teamgründungen - Beispiel GbR (oder auch BGB-Gesellschaft)
Die GbR ist die einfachste Rechtsform, um im Team zu arbeiten. Sie entsteht automatisch, wenn Ihr mit mindestens einem weiteren Gründungswilligen Euer Vorhaben beginnt, gemeinsam ein Büro nutzt oder zusammen Werbung macht. Dieser Automatismus spielt vor allem gegenüber Außenstehenden eine wichtige Rolle. So haftet jeder Gesellschafter unbeschränkt mit seinem persönlichen Vermögen für Schulden (z. B. für Druckkosten von Werbeflyern) der gesamten GbR, unabhängig davon, ob er selbst die Schulden verursacht hat oder nicht.

Tipp: Wenn Ihr ausschließlich gemeinsame Räumlichkeiten nutzt, aber nicht inhaltlich zusammenarbeiten und keine GbR bilden wollt, solltet Ihr dies auch nach außen hin deutlich machen: z. B. durch individuelle Namensschilder, unterschiedliche Werbeauftritte usw.

Das Gesetz schreibt für die GbR die so genannte Gesamthänderische Verwaltung vor. Das heißt, alle Gesellschafter verfügen gemeinsam über das Vermögen der Gesellschaft. Und schließlich sagt das Gesetz, dass Gewinn und Verlust gleich aufgeteilt werden müssen. Ein schriftlicher Vertrag ist nicht notwendig, aber auf jeden Fall empfehlenswert. Die GbR wird nicht ins Handelsregister eingetragen. Ein Gründungskapital, wie zum Beispiel bei der UG oder GmbH, ist nicht vorgeschrieben.

Lesenswert! Checkliste: Was gehört in einen GbR-Gesellschaftervertrag?

Diese Vorlage dient nur zur Orientierung. Es empfiehlt sich einen Rechtsanwalt oder Notar hinzuziehen, um den GbR-Gesellschaftsvertrag an die individuellen Bedürfnissen anzupassen.

Zum Schluss! Jede Gründung hängt viel von den handelnden Personen ab. Egal ob Ihr alleine oder im Team gründet. Wichtig ist das Du/ Ihr dem Gründungsvorhaben gewachsen bist/ seid.

Quellen: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Alles, nur kein Unternehmer?; www.existenzgründer.de | RKW Kompetenzzentrum (Hrsg.): RKW Magazin - Gründen im Team Ausgabe 3/2014