Header

Pfad

Ver(un)sichert? # 3: Betriebliche Versicherung: Was ist wirklich notwendig?

28.12.2015

Der erforderliche Versicherungsschutz richtet sich immer nach dem konkreten Tätigkeitsfeld eines Selbstständigen, also nach den jeweiligen Produkten bzw. Dienstleistungen. Überlegt genau, welche Risiken Ihr selbst tragen könnt und wo sich Gefahrenquellen eindämmen lassen. Grundsätzlich gilt: Versichert so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig! Allerdings gibt es für alle Unternehmen einen Basis-Versicherungsschutz, der standardmäßig vorhanden sein sollte.

Ihr solltet Euch in Vorbereitung Eurer Gründung nicht nur über persönliche Risiken, sondern auch über unvorhersehbare Gefahren für das Unternehmen Gedanken machen. Was wäre wenn?

…bei euch eingebrochen und alle Geräte entwendet wurden?
…ein Feuer ausgebrochen ist?
…eine Maschine streikt, was einen Produktionsstillstand zur Folge hat?
…Ihr Eure programmierte Software in das System des Auftraggebers spielt und nichts funktioniert?
…Ihr als Industriekletterer versehentlich Werkzeug aus 30 Metern Höhe fallen lasst?

Natürlich wollen wir hier nicht schwarz malen, aber so mancher Traum vom eigenen Unternehmen kann schnell platzen, wenn solche oder ähnliche Schadensfälle aus eigener Tasche bezahlt werden müssen.

Damit Ihr Euer Unternehmen nicht überversichert und zu viel Geld bezahlt, solltet Ihr wissen, wo die betrieblichen Hauptrisiken bestehen: Wo sind die Katastrophenrisiken? Wo können große Schadensfälle auftreten, die das Unternehmen gefährden?

Prüft auch, was Ihr selbst tun könnt, um Schaden zu vermindern. Sind z. B. die Unfallverhütungsvorschriften der zuständigen gesetzlichen Berufsgenossenschaft eingehalten? Für Versäumnisse, die Ihr auf diesem Gebiet begeht, kommt keine private Versicherung auf. Je nach Branche besteht für Unternehmer bei der zuständigen Berufsgenossenschaft entweder Versicherungspflicht oder die Möglichkeit, sich freiwillig gegen die Folgen von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten zu versichern. Wenn Ihr Angestellte beschäftigt, muss Euer Unternehmen immer bei der Berufsgenossenschaft angemeldet werden.

Für die Entscheidung, welche betrieblichen Versicherungen notwendig sind, empfehlen wir Euch, eine Rangordnung aufzustellen.

  1. Was muss versichert werden (Must have, wenn es um die Existenz geht)?
  2. Was soll versichert werden (wenn finanzielle Engpässe drohen)?
  3. Was kann versichert werden (wäre schön und bezahlbar)?
1. Must have
  • Haftpflichtversicherung: Trotz Vorsicht und modernster Technik - menschliches oder technisches Versagen lassen sich nie ganz vermeiden. Für manche Berufsgruppen wie Ingenieure, Architekten oder Makler gibt es spezielle Berufs- bzw. Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen. Hier sollte unbedingt eine branchenspezifische Versicherung gewählt werden.
     
Mein Tipp! Achtet darauf, wenn notwendig, dass eine Umwelthaftpflichtversicherung integriert ist. Vor allem dann, wenn im Unternehmen Öl- oder Gastanks, Heizungsanlagen usw. vorhanden sind. (Hohes Umweltverschmutzungsrisiko)  
  • Gebäude- und Inhaltsversicherung: Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Vandalismus, Einbruchdiebstahl und Raub können abgesichert werden.
  • Kfz-Versicherung: Ohne Kfz-Haftpflichtversicherung wird kein Kfz zugelassen.

2. Soll-Versicherung
  • Transportversicherung: Versichert Verlust oder Beschädigung während des Transportes und der transportbedingten Lagerung.
  • Betriebsunterbrechungsversicherung:Versicherungsschutz für Erlöseinbußen infolge einer Unterbrechung oder Beeinträchtigung in der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung.
  • Elektronikversicherung: Hier lassen sich Anlagen und Geräte der Informations-, Kommunikations- und Medizintechnik sowie sonstige elektrotechnische oder elektronische Anlagen und Geräte umfassend versichern.
     
3. Kann-Versicherung

Zu den kleinen Risiken gehört alles, was die Firma im Schadensfall nur im geringen Maß belasten würde. So verzichten zum Beispiel manche Unternehmen auf eine Glasversicherung. Was verständlich ist, wenn die Hallen nur wenige Fenster mit einfacher Verglasung haben. Erstens ist die Wahrscheinlichkeit - außer bei Explosion - gering, dass alle Fenster gleichzeitig zu Bruch gehen, zweitens lässt sich der Preis für eine neue Scheibe schon heute - also vor Eintritt des Schadens - ziemlich genau abschätzen. Das wird die Firma nicht an den Rand des Ruins bringen.

Hinweis! Welche Versicherung notwendig ist, hängt immer vom individuellen Bedarf ab. Insofern ist die o. a. Auflistung nur eine Empfehlung, aber keinesfalls vollständig (bspw. Rechtsschutzversicherung, Maschinenversicherung, Datenträgerversicherung etc.). Für eine genau Analyse und eine individuelle angepasste Versicherung gibt es Fachleute. Wendet Euch an einen Versicherungsvermittler/Makler Eurer Wahl.

Quellen: BMWi-GründerZeiten 05: Versicherungen | Fachvortrag: Richtig fairsichert? - Start-up -Tipps für Unternehmensgründer; Referentin Cornelia Trentzsch, Fairsicherungsbüro®

Lesenswert: 'Was soll ich versichern?' Checkliste für Betriebe