Header

Pfad

Gründerinitiativen # 1: „Basislager“ ist Keimzelle kreativer Firmengründungen

veröffentlicht am 23. Mai 2016 von in Gründung, Gründerinitiativen | Wettbewerbe

Im "Basislager" können sich neue kleine Firmen oder Einzelkämpfer für die Startphase Arbeitsplätze mieten und eigene Netzwerke knüpfen

Äußerlich ist es ein ganz normales Altbau-Wohnhaus am Peterssteinweg, also beste Innenstadtlage. Im Inneren aber haben die Architekten alle Möglichkeiten nutzen können, um hier einen Kreativraum der besonderen Art entstehen zu lassen. "Basislager CoWorking Space" steht unten am Orientierungsschild, außerdem eine Sammlung von recht ausgefallenen Firmennamen: Vision Bakery, Birdymatch, nterra oder Founderscope, um nur einige aufzuzählen.

Das "Basislager" gibt es erst seit gut einem Jahr, nachdem sich das Prinzip des CoWorking schon eine Weile in den Weltmetropolen als flexibles, vor allem aber kollaborierendes Büro-Konzept etabliert hatte. Dabei bietet ein Vermieter voll ausgestattete Büros mehreren Kleinunternehmern und  Freelancern verschiedener Kreativbranchen an, die in den zumeist offenen Büroarbeitsplätzen in den Pausen miteinander in Kontakt kommen, sich über Erfahrungen und Chancen austauschen und gegenseitig ihre Vernetzungen in der Geschäftswelt - zumindest teilweise - öffnen. Angst vor der Konkurrenz gibt es eher nicht, dafür die Lust, anderen mitzuteilen, was man wie macht - und natürlich auch deren Erfahrungen zu teilen.

Hier spricht sich jeder mit Du an, ganz gleich welchen Alters man ist, ob man T-Shirt oder Anzug trägt oder ob man einen Doktortitel hat", sagt André Nikolski, der das Basislager leitet. Das funktioniert offenbar ebenso problemlos, wie die völlig offene Arbeitswelt: Es herrscht Ruhe, während an den Bildschirmen gearbeitet wird, zum Telefonieren oder für Besprechungen stehen extra Räume zur Verfügung. Zusammenarbeiten mit physischer Präsenz sei in Zeiten, in denen der Computer mit Internet auch schon mal als Büro oder gar Firma gelten kann, wichtiger denn je: man brauche schließlich auch andere Menschen in der Nähe, die mit Körpersprache, Emotionen und Nähe mehr bieten, als das beste soziale Netzwerk. "Und wenn ein Mieter eine eigene Sphäre wünscht, dann machen wir auch das möglich, sagt Nikolski mit Blick auf Vision Bakery. Der Spezialist für Crowdfounding sorgt selbst als Organisator von privaten Finanzierungsquellen für StartUps und hat gerade eine neue Etage bezogen, in der die Räume herkömmlich abgetrennt sind.

Das "Basislager" ist eine Gründung für Gründer, es fiel nicht vom Himmel, sondern ist eine Idee des Medienkonzerns Madsack. Der Verlag, der in mehreren Städten wie Hannover, Kiel oder Rostock Tageszeitungen herausgibt, ist auch Eigentümer der Leipziger Volkszeitung, unter deren Dach das Basislager aufgebaut wurde - im ökonomischen wie im wörtlichen Sinn. "Es ist ja kein Geheimnis, dass Zeitungsverlage inzwischen neben dem klassischen Geschäft auch neue Felder bespielen, dazu gehört auch ein CoWorking, was ja viel mit neuen Medien zu tun hat", sagt Nikolski, der nach seinem Studium zunächst für einige Jahre in der Berliner Gründerszene aktiv war. Seit gut einem Jahr lebt und arbeitet er nun im Peterssteinweg, direkt gegenüber vom Verlagshaus. "Grundlage unseres Konzeptes ist aber, dass wir uns wirtschaftlich selbst tragen", sagt er. Das Investment von Madsack habe sich lediglich in der Vorrichtung des einst maroden Altbaus begrenzt - mit den monatlichen Mietpreisen von etwa 170 Euro pro Arbeitsplatz fließe jetzt das investierte Geld wieder zurück. "Strategisch aber hat der Verlag auch den Vorteil, durch die Netzwerke und durch  dicht an der Gründerszene zu sein und später daraus einmal einen Nutzen ziehen zu können", sagt der Geschäftsführer des Basislabors.

Dass der Verlag aus Hannover gerade in Leipzig und - noch - nicht in Hannover auf die Gründerszene setzt, hat viel mit dem Trend hier zu tun. "Leipzig hat schon seit Jahren eine große Zahl an jungen, kreativen Gründern, was eine solche Einrichtung wie die unsere erfolgversprechend macht", versichert André Nikolski. In Berlin sei das alles noch ein gutes Stück weiter und natürlich auch größer, wobei einer der Gründe sei, dass viele erfolgreiche Ideengeber nach ein paar Jahren ihr Unternehmen abgeben und sich wieder an neues wagen - praktisch wie ein positives Schneeballsystem.

Als das Basislager vor gut einem Jahr gegründet wurde, belegte es zunächst nur eine Etage des Gebäudes, in dessen Erdgeschoss schon seit längerem Tickets verkauft wurden. Inzwischen sind bis auf diese Service-Räume alle anderen Etagen für das Basislager umgebaut wurden, zuletzt zogen auch die Kollegen von LVZ-Online aus, um neuen Platz zu schaffen. "Die Nachfrage ist wirklich so, dass wir schnell das ganze Haus füllen konnten", sagt Nikolski. Und das, obwohl natürlich auch bei einem Wachstum der Firmen auch diese selbst immer mal wieder so weit gediehen sind, um sich  abzunabeln. So zum Beispiel die ProCopter GmbH, die mittels Drohnen Luftbilder und -Filme für kommerzielle Zwecke erstellt. Für das CoWorking sei sicher nicht jede Neugründung optimal geeignet, und auch die noch immer relativ günstigen Mietpreise für Büros sorgen dafür, dass es bisher immer noch Platz für weitere Anfragen gibt. "Aber wir können absehen, dass wir bald vollständig ausgelastet sind und dann entscheiden müssen, ob es einen weiteren Standort geben kann oder wir noch mehr als bisher auswählen müssen", sagt Nikolski.

Das Gründen von innovativen Unternehmen, das ist zwar noch immer kein Massenphänomen - wenn man es an die Zahl von Studienabsolventen misst - aber dennoch wächst die Zahl der Mutigen und Stresswilligen immer weiter an. Bislang sei man in Deutschland ja immer noch ein wenig ängstlich, was die Möglichkeiten des Scheiterns agehe und setze daher zu oft auf eine Festanstellung", sagt Nikolski, der in seiner Zeit in Berlin viele Gründer beraten hat. Doch nach dem Vorbild der USA setze sich auch hier immer mehr Selbstbewusstsein durch, dass nichts Schlimmes daran ist, wenn nicht jede Idee im Geschäftsleben zum Erfolg führt. "Wenn es dann ein paar gute Firmen schaffen, dann ist das Ziel erreicht und dann verkraftet man auch, wenn man mal etwas aufgeben muss", sagt der Basislager-Chef.

Autor: Manfred Schulze