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Gründerinitiativen # 2: SpinLab – The HHL Accelerator als Brutkasten für innovative Startups

veröffentlicht am 02. August 2016 von Stefan Heilmann in Gründung, Gründerinitiativen | Wettbewerbe

Die Treppe hinauf in die zweite Etage der Halle 14 in der Leipziger Baumwollspinnerei stammt unübersehbar aus einer untergegangenen Industrieepoche. Rostige Geländer, bröckelnder Putz, alte Rohre und eine Kette, die einen alten Übergang absperrt. Und doch führt der Aufgang in die Zukunft. Das "SpinLab", ein von der HHL mitgegründetes und gefördertes Gründerzentrum hat hier sein Domizil inmitten der historischen Industriearchitektur gefunden. Inzwischen sind zwei Etagen der alten Halle vorgerichtet. Geblieben ist der Charme der Industriearchitektur, im Detail aber ist unübersehbar, dass hier die Kreativen sich ihre Arbeitswelt optimal gestalten konnten.

Lärm durch laufende Maschinen sollte man aber nicht erwarten - das SpinLab ist eine reine Denkfabrik geworden. Die fast durchweg jungen Leute, die hier ihren Arbeitstag und manchmal auch die Nacht verbringen, kennen sich fast alle mit Vornamen, obwohl sie verschiedenen Firmen angehören. Der hunderte Quadratmeter große Raum ist offen, man trifft sich zudem beim Essen oder den kreativen Pausen, die hier nicht mit der Stechuhr gemessen werden. Auf dem Flur steht eine Tischtennisplatte, gleich am Foyer hängt "die größte Büroschaukel Europas, wenn nicht gar der Welt" von der fünf Meter hohen Decke herab, wie SpinLab-Geschäftsführer Eric Weber sagt. Die notwendige Zeit für kreative Gedanken, die richtigen Gesprächspartner zum Erörtern von Ideen, das alles wird hier nicht weniger großgeschrieben, als die ganz klassische Arbeit, die meistens am Mac stattfindet. Wer hier in einer Firma den Start wagt, der ist vor allem vernetzt und hat ein paar gute Geschäftsideen. Das "Spinnen" gehört im SpinLab dabei zu den herausragenden Tugenden.

Immanuel Rebarczyk gehört mit dem von ihm mitbegründeten Telematik-Unternehmen Ekoio schon fast zu den Alteingesessenen - wenngleich das ja fast schon ein Widerspruch in sich zu sein scheint. Denn eigentlich werden die Unternehmen, die im SpinLab ihre Kinderstube finden, nach einer entsprechenden Auswahl durch eine Jury für ein halbes Jahr in eine "Klasse" aufgenommen und können hier kostenlos Beratung, Raum und Infrastruktur nutzen. "Es gibt aber auch die Möglichkeit, nach dieser Phase hier zu bleiben, wenn es unsere Platzverhältnisse hergeben", berichtet Weber. Deshalb ist inzwischen die Zahl der Gründerfirmen in der Halle 14 auf zehn angewachsen, jetzt werden gerade weitere 600 Quadratmeter in einer weiteren Etage vorgerichtet: Es arbeitet sich offenbar gut in der Spinnerei.

Das gilt auch für Ekoio und Rebarczyk, der mit seinem Unternehmen bereits 2014 den Leipziger Gründerpreis einheimsen konnte und inzwischen aus der eigentlichen Gründerphase soweit heraus ist, dass es nun ernsthaft an Geldverdienen und Wachstum gedacht werden kann. Sechs Mitstreiter gehören zu Ekoio, das ein System zur Echtzeitüberwachung und -Steuerung von Fahrzeugen entwickelt hat. "Wir hatten das ursprünglich für Privatnutzer gedacht, fokussieren uns aber inzwischen auf Autovermieter, Carsharing, Leasingsgesellschaften oder auch Logistik-Dienstleister, bei denen es auf solche Daten besonders ankommt", sagt Rebarczyk. Mit einem kleinen Modul, das wahlweise an der Service-Schnittstelle angedockt oder fest eingebaut werden kann, lassen sich so über ein zentrales Terminal die Fahrtstrecken und auch der technische Zustand jederzeit verfolgen und elektronisch auswerten. Das Interesse an dieser Lösung, die entsprechend der Kundenbedürfnisse modifiziert werden kann, sei riesig, sagt der Unternehmer. Denn bisher werden zwar viele der Daten im gewerblichen Verkehr erfasst, aber der Einsatz von Echtzeit-Auswertungen stehe eher noch am Anfang.

2013 entstand die Grundidee in einer ausgedehnten Café-Runde - skizziert passte sie damals auf eine Serviette, erzählt er. Es folgten unzählige Gespräche, ein Businessplan und schließlich die Suche nach ersten Geldgebern. Zwar benötigt ein Startup in der Gründungsphase, wenn es um Software geht, keine Millionenbeträge. Aber dennoch dauert die Phase von der Idee bis zum ersten Überschuss in der Kasse doch ein oder auch mehrere Jahre. Bei Ekoio half ein Gründerstipendium des Wirtschaftsministeriums in Höhe von circa 100 000 Euro. Bald darauf stieg auch die Pro7/Sat1-Gruppe mit einer Beteiligung ein - und vor einem Jahr folgte der Einzug in das SpinLab.

Die HHL Leipzig Graduate School of Management, die seit 20 Jahren als private Business-School existiert und sich inzwischen einen international renommierten Namen erarbeitet hat, unterstützt die Gründer vielfältig. "Wir haben natürlich dort viele Ansprechpartner, wir werden zu Präsentationen eingeladen und profitieren auch vom Netzwerk mit den Unternehmen, mit denen die HHL verbunden ist", berichtet Immanuel Rebarczyk. Zudem will die HHL auch selbst einiges tun, um die Leipziger Gründerszene voranzubringen und betreibt daher mit dem Center for Entrepreneurial and Innovative Management (CEIM) eine Gründer- und Innovationsplattform. Als "One-Stop-Agency" bündelt und systematisiert das CEIM Gründerförderung und Innovationsprojekte. Es bietet gründungsaffinen Studenten, Wissenschaftlern und Investoren sowie etablierten Unternehmen Unterstützung bei der Entwicklung von Businessplänen und neuen Geschäftsmodellen an der HHL wie auch am neuen "SpinLab - The HHL Accelerator" an. Den Accelerator hat die HHL Ende 2014 gemeinsam mit der Leipziger Baumwollspinnerei geschaffen, um Gründungs- und Innovationsvorhaben zu beschleunigen. "Mit der Gründung des Centers hat die HHL ihre Entrepreneurship-Ausbildung weiter ausgebaut. Dies stellt ein wesentlicher Bestandteil des HHL-Zukunftskonzepts innovate125 dar", sagt CEIM-Direktor Dr. Dorian Proksch. Zugleich diene das Gründerzentrum CEIM als Labor für die wissenschaftliche Entrepreneurship- und Innovationsforschung.

Autor: Manfred Schulze